Freitag, 19. Juni 2015

Fotogalerie: DAF-Lehrkräfte gehen in Bonn auf die Straße

Die folgenden Fotos von der Kundgebung des BOK in Bonn stammen von Georg Niedermüller:

Wie wahr! Selbst an der Berliner VHS, die in der Branche noch die "besseren" Arbeitsbedingungen bietet, kommt eine DAF-LehrerIn nach einem Vollzeiterwerbsleben für die VHS nur auf ca. 500,- Euro Rente! (Quelle: biwifo report (Bildung, Wissenschaft und Forschung) von ver.di 01/2015)
DAF-Lehrkräfte auf Bonner Kundgebung für bessere Arbeitsbedingungen

Stephan Pabels Ansprache: Arbeitsniederlegung der Lehrer in Integrationskursen in Bonn

www.bonneroffenerkreis.jimdo.com
bonner.offener.kreis@gmail.com


Ansprache zur Arbeitsniederlegung und Demonstration der Lehrkräfte in Integrationskursen

28.05.2015 um 10:45 Uhr auf dem Bonner Remigiusplatz

10 Jahre Integrationskurse - ein Erfolg für das Bundesinnenministerium und das BAMF, weil das Konzept trotz dramatischer Unterfinanzierung seit 10 Jahren nahezu unverändert funktioniert. Mehr schlecht als recht. Lehrkräfte werden in arbeitsrechtlich bedenklichen Beschäftigungsverhältnissen als nebenberuflich Selbstständige auf Honorarbasis mit Dumpinghonoraren abgespeist. Zwar wird von ihnen ein abgeschlossenes akademisches Studium und mindestens eine Zusatzqualifikation verlangt, aber bezahlt werden sie von den Kursträgern wie Maurerlehrlinge im dritten Lehrjahr. Allerdings ohne AG für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Als sogenannte Selbstständige erhalten sie auch keine Honorarfortzahlung während ihres Urlaubs oder während einer Krankheit. Und sie sind jederzeit kündbar! Familienfeindlicher geht’s nicht!

Das BAMF zahlt den Kursträgern mit 2,94 pro UE und anwesenden Teilnehmer so wenig, dass der Träger es sich gar nicht leisten kann, mit einer Lehrkraft Honorare und Arbeitsbedingungen auszuhandeln. Vielmehr werden die Verträge, oft mit realitäts- und alltagsfernen Formulierungen und Vereinbarungen vorgelegt ohne Verhandlungs- oder Diskussionsspielraum nach dem Motto : Friss oder Stirb! Mit euphemistischer Wortakrobatik wird eine Dienstanweisung wie eine Bitte formuliert, die man nicht schadlos abschlagen kann. Konferenzen, die heute mehr denn je angesichts der zunehmenden Zuwandererproblematik und den immer absurder werdenden Forderungen vom BAMF an die Träger dringend notwendig wären, finden nicht statt, weil dies zusammen mit den Dienstanweisungen ein Kriterium für ein Angestelltenverhältnis, bzw. für die strafrechtlich relevante Scheinselbstständigkeit wäre.

Andererseits sollen die Lehrkräfte Deutschkenntnisse und die Deutsche Kultur in 660 bis 900 UE vermitteln, damit die Zuwanderer dadurch die Möglichkeit haben, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz zu finden, wo sie dann auch konsumfreudig Steuern abführen und in die Sozialversicherungskassen einzahlen können. Die Lehrkräfte leisten also eine gesellschaftlich höchst bedeutende und qualitativ höchst anspruchsvolle Arbeit, die im hohen Maße soziale Kompetenz erfordert. Die Integrationskurse sind sehr heterogen: da sitzt ein studierter und berufserfahrender 35 jähriger Syrer aus Damaskus beispielsweise neben einer 60jährigen Frau aus Ostanatolien, die in ihrem Leben nur drei Jahre die Schule besucht hat. Schließlich müssen die Lehrkräfte auch auf interkulturelle Konflikte zwischen den Kursteilnehmern und auf vom Krieg traumatisierte Teilnehmer stets adäquat hilfreich, rücksichtsvoll und besänftigend reagieren können.
Und das tun sie auch für 20 Euro die UE, wovon sie im Schnitt nach allen Pflichtabzügen keine 8 Euro behalten. Null Euro sehen sie für Unterrichtsvor- und Nachbereitung. Exkursionen mit den TN müssen vom BAMF genehmigt werden – also auch hier nichts von freier Unterrichtsgestaltung, wie es für einen Selbstständigen selbstverständlich wäre.

Unterrichtsmaterial –raum und –zeit ist vorgegeben und nicht selbstständig zu bestimmen. Man kann lediglich zwischen drei verschiedene Tageszeiten mit festgelegten Uhrzeiten wählen. Auch Ort und Raum innerhalb der Schule wird angegeben. Wider aller wortakrobatischen Formulierungen in Honorarverträgen ist die Lehrkraft in den reibungslosen Betriebsablauf einer Schule eingebunden.
Trotz alle dem, trotz aller Proteste, Gewerkschaftstagungen auf unterer und höchster Ebene, Reklamationen, Briefe, Bitten und Petitionen, die auf BAMF und Bundesinnenministerium in den letzten Jahren niedergegangen sind, ja selbst trotz des Koalitionsvertrages vom Dez. 2013, in dem klar steht, dass die Bezahlung der Lehrkräfte angemessen verbessert werden soll, geschieht nichts!
An der Schwarz/Gelben Koalition in Berlin bis 2013 und Schwarz/Roten GROKO seit dem perlt jeder Protest ab. Wenn diese Politiker überhaupt antworten, dann sind es meist kurzzeilige Plattitüden mit oft – bei allem Respekt - wirklich nur als dummdreist zu bezeichnenden Formulierungen, die mit der beruflichen Alltagsrealität einer Lehrkraft in Integrationskursen absolut nichts zu tun haben.
Die Lehrkräfte haben auch keinen Verhandlungspartner, Kursträger, BAMF und Bundesinnenministerium fühlen sich nicht zuständig, der eine verweist auf den anderen. Bei der Gewerkschaft sind wir als Selbstständige eher eine kleine Gruppe und auch die Gewerkschaften wissen nicht, mit wem sie sich in unserer Sache an einen Verhandlungstisch setzen könnten, weil sich niemand am Ende zuständig fühlt.

10 Jahre Integrationskurse eine Erfolgsgeschichte – ganz gewiss unter dem Aspekt der so sparsamen wie schadlosen Ausbeutung der Lehrkräfte. Weit weniger aber bzgl. des Erfolgs, befriedigender Abschlüsse von Kursteilnehmern und wirklicher Integration in ein geregeltes und gerechtes Arbeits-/Berufsleben.Qualitätsmanagement betreibt das BAMF bezeichnenderweise lieber selbst! Na dann ist ja alles in Ordnung!

Nein! Durch die bereits jetzt schon garantierte Altersarmut der Lehrkräfte stehen wir bald wieder vor der Tür und werden den Steuerzahler völlig unnötig bemühen müssen, wenn es weiterhin so oder auch nur so ähnlich bleibt, wie es ist. Wir machen nicht mehr mit! Diese Aktion heute ist eine Warnung! Wir müssen Zuwanderer nicht unterrichten! Sollten wir es aber tun und wir tun es gerne und kompetent, dann fordern wir sofort ! eine Finanzierung der Integrationskurse, die…
Festanstellung mit einem Gehalt vorsieht, dass unserer akademischen Ausbildung, unserer sozialen Kompetenz, unserer gesellschaftlich so wichtigen Aufgabe und auch den wachsenden Ansprüchen, die an uns gestellt werden, angemessenen ist.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Stephan Pabel BOK-DaF/DaZ Lehrkräfte

Aufruf der GEW zum Beamtenstreik in Hessen

Mit diesem Aufruf setzte sich die GEW in Hessen für den "Beamtenstreik" ein.
Dabei geht es um mehr als Geld:
Es geht darum, die Abwertung des Lehrerberufes zu stoppen.

Wie weit die Abwertung des Lehrerberufes bereits fortgeschritten ist, spüren die Lehrkräfte in der Erwachsenenbildung besonders heftig. Sie sind überwiegend Scheinselbständige, haben jahrelang lediglich Honorarverträge. LehrerInnen in Integrationskursen können auch nach jahrzehntelanger Vollzeitarbeit für einen Arbeitgeber nicht mit einer Anstellung rechnen.

Honorar-Lehrkräfte hätten allen Grund zu streiken.