Montag, 20. April 2015

Flüchtlingshilfe: Bürger engagiert -- Der Staat zieht sich zurück



Alphabetisierung in Deutschland – Eine Aufgabe für NGOs?
Bürger engagiert – Staat zieht sich zurück


Der folgende Artikel erschien am 20. April im Online-Magazin "MIGAZIN".

Link:  http://www.migazin.de/2015/04/20/fluechtlingsarbeit-buerger-engagiert-staat-zieht-sich-zurueck/

Am vergangenen Wochenende sind so viele Menschen im Mittelmeer ertrunken wie noch nie! Das Mittelmeer wird zum Massengrab. Es ist das schlimmste Beispiel dafür, wie sich der Staat zurück zieht! Es ist höchste Zeit, das Programm "Mare Nostrum" wieder aufzunehmen und Ertrinkende zu retten!

von Aglaja Beyes

Einige wenige Flüchtlinge, die der Hölle ihrer kriegsverwüsteten Länder entkommen können, schaffen es bis nach Deutschland. Viele treffen hier auf Behörden, die sich überfordert fühlen und ganz normale Bürger, die gerne helfen. Das gilt zum Beispiel für Deutschkurse. Überall im Land organisieren Flüchtlingsvereine, die Caritas u.a. Sprachunterricht für diejenigen, die noch auf ihre Anerkennung warten. Sie dürfen an Integrationskursen von Amts wegen nicht teilnehmen. Ihre Bildung ist dem Staat keinen Cent wert, so dass der Unterricht ausschließlich ehrenamtlich geleistet wird.

Das wirft ein gutes Licht auf die Menschen, die sich in ihrer Freizeit einbringen, aber ein schlechtes Licht auf die Verantwortlichen, u.a. beim Bundesinnenministerium. Letztere betreiben Exklusion, indem sie einer großen Gruppe Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben verwehren, zum Beispiel durch Ausschluss aus den Integrationskursen, für die das Innenministerium mit seinem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zuständig ist. Pro Asyl und andere, die täglich mit den Betroffenen zu tun haben, verlangen seit langem eine Vergrößerung der Zugangsberechtigung zu Sprachkursen – ohne Erfolg.

Deutschland im Jahre 2015 hat 7,5 Millionen funktionale Analphabeten, sowie eine nicht bekannte Zahl primärer Analphabeten. Dies sind Menschen, die nie eine Schule besuchten. Die meisten von ihnen stammen aus Kriegsgebieten. Zugleich gibt es inzwischen eine große Zahl von Integrationskursen mit Alphabetisierung. Tausende Flüchtlinge lernten hier Lesen und Schreiben. Doch der Zutritt zu dieser Elementarbildung bleibt den Nichtanerkannten genauso verwehrt, wie zu den allgemeinen Sprachkursen. In armen Ländern verteilen Caritas und das Rote Kreuz Lebensmittel. Im armen Deutschland geben diese Organisationen Deutsch- und Alphabetisierungskurse. In beiden Fällen werden NGOs zu Hilfe gerufen, weil der Staat ausfällt.

Das hat zwei Aspekte. Erstens spart der Staat Geld. Lehrer in Integrationskursen reiben sich verwundert die Augen: Bisher hatte man sie mit zirka der Hälfte des Einkommens angestellter Lehrer abgespeist, ohne Arbeitsverträge und ohne Sozialversicherung. Jetzt erleben sie, dass es noch billiger geht: zum Nulltarif. Das lässt sich nicht mehr unterbieten!

Der zweite Aspekt ist, dass Bildung, die ausschließlich in den Händen von Freiwilligen ruht, nicht immer das gewünschte Niveau hat. In der Alphabetisierung kann das verheerende Folgen haben. Nura hat es nach langem Warten endlich in einen Integrationskurs mit Alphabetisierung geschafft. Das Alphabet hat sie schon mal vorgeübt. Und doch ist ihr der eigene Name ein einziges Rätsel: „En“ liest sie bei jedem „N“, das „Nu“ bleibt ihr verschlossen. „Das ist ein „n“, kein „en“, sagt die Lehrerin. „Ihr Name ist doch nicht En-u-er-a“. Die Lehrerin weiß um die fatalen Folgen der sogenannten Buchstabiermethode bei „echten“ Analphabeten. Und sie weiß, dass diese Methode schon 1872 in Preußen verboten wurde, weil sie Analphabetismus befördern kann. Die motivierten, aber nicht ausgebildeten Hilfslehrer wissen dies nicht.

Sonntag, 19. April 2015

Aufruf zur Arbeitsniederlegung der KollegInnen im Raum Bonn


Es bewegt sich etwas!
Integrationslehrer unterrichten in Orientierungskursen u.a., welche Rechte Arbeitnehmer haben. Es wird höchste Zeit, dass auch die Deutschlehrer in Integrationskursen in den Genuss dessen kommen, was sie unterrichten!

 Weitere Informationen unter:

http://bonneroffenerkreis.jimdo.com

 E-Mail: bonner.offener.kreis@gmail.com

Bonner Offener Kreis - Wer sind wir?

Wir sind eine Gruppe von DaF/DaZ-Lehrkräften in Bonn und setzen uns für faire Arbeitsbedingungen ein.
 
Wir sind parteipolitisch unabhängig. Wir arbeiten unter dem Dach der GEW.

Niemand von uns muss GEW-Mitglied sein oder werden.
 
Was sind unfaire Arbeitsbedingungen?
Freiberufliche DaF/DaZ-Lehrkräften, die ein akademisches Studium und eine Zusatzqualifikation nachweisen müssen und deren hochqualifizierte Arbeit laut Aussagen der Politiker gesellschaftlich von höchster Bedeutung ist, bekommen bundesweit so niedrige Honorare, dass sie davon nicht leben und ihrer Sozialversicherungspflicht nicht nachkommen können. Teilweise müssen vollbeschäftigte Lehrkräfte mit Hartz IV aufstocken, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.
 
Was sind faire Arbeitsbedingungen?
Arbeitsbedingungen, von denen wir gut leben können und unsere Zukunft planen können.
 
Arbeitsbedingungen, die unserer Qualifikation entsprechen und die unseren wichtigen Beruf attraktiv für motivierte junge Menschen machen.

Deswegen haben wir uns zusammengeschlossen - denn zusammen ist man weniger allein ...

Seit Dezember 2011 treffen wir uns regelmäßig, um Aktionen zu besprechen, Forderungen zu formulieren und an Verantwortliche heranzutragen.

Scheinselbständig im Staatsauftrag


Dieser Artikel erschien in biwifo von ver.di 01/2015. Der Kollege Karl Kirsch schreibt, er sei seit 20 Jahren scheinselbständig.... Leider ist das keine Ausnahme, sondern in Integrationskursen die Regel. Ein staatliches Trauerspiel!

Krankheit Privatsache?

Der nebenstehende Artikel erschien in biwifo (Bildung, Wissenschaft und Forschung) von ver.di 01/2015.
Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass kranke Lehrer sich auskurieren dürfen, statt krank vorder Klasse zu stehen?
Dies ist eine der vielen Folgen der Scheinselbständigkeit!